Örtliche Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte in der Verbandsgemeinde Oberes Glantal

    Die Verbandsgemeinde Oberes Glantal lässt durch das Büro Obermeyer, Kaiserslautern für alle 23 Ortsgemeinden örtliche Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte erstellen. Ziel ist es, bestehende Überflutungsrisiken zu erkennen, mögliche Schäden zu verringern und geeignete Vorsorgemaßnahmen für die einzelnen Ortsgemeinden zu entwickeln.


    Grundlagen der Konzepterstellung


    Die Bearbeitung stützt sich auf

        • die vom Land Rheinland-Pfalz bereitgestellten Sturzflut-, Hochwassergefahren- und Flusshochwasserkarten sowie den HydroZwilling,

        • die Ergebnisse der Ortsbegehungen,

        • die Rückmeldungen aus jeweils zwei Bürgerbeteiligungen sowie

        • die Dokumentationen vergangener Hochwasser- und Starkregenereignisse.


    1. Projektablauf

    Ortsbegehungen


    Zwischen Mai 2023 und April 2024 fanden in allen 23 Ortsgemeinden Ortsbegehungen statt. Daran beteiligt waren Vertreterinnen und Vertreter der jeweiligen Ortsgemeinde und der Verbandsgemeinde, der Feuerwehren sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger. Ziel der Begehungen war es, die örtlichen Überflutungsgefahren und vorhandenen Schwachstellen direkt vor Ort zu erfassen.


    Defizitanalysen und erste Bürgerbeteiligungen


    Die dabei erhobenen Informationen wurden von Obermeyer ausgewertet und für jede Ortsgemeinde in einer Defizitanalyse zusammengeführt. Diese wurden im Zeitraum von April 2024 bis April 2025 im Rahmen von Bürgerveranstaltungen vor Ort vorgestellt. Dabei wurde insbesondere 

        • über bestehende Überflutungsrisiken informiert,

        • nach den Erfahrungen der Bevölkerung gefragt und

        • über die Möglichkeiten und Grenzen der Hochwasser- und Starkregenvorsorge aufgeklärt.


    Entwürfe der örtlichen Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte


    Auf Grundlage der erhobenen Informationen werden sukzessive die örtlichen Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte erstellt. Die Berichtsentwürfe enthalten unter anderem konkrete Vorschläge für Vorsorgemaßnahmen in der jeweiligen Kommune. Im September 2026 lagen 11 von 23 Konzepten als Entwurf zur Prüfung vor. Die noch ausstehenden Konzepte werden zeitnah erstellt.


    Zweite Bürgerbeteiligung


    Nach der Prüfung und Freigabe der Berichtsentwürfe werden die Ergebnisse und insbesondere die konkreten Maßnahmenvorschläge im Rahmen einer weiteren Bürgerbeteiligungsrunde vor Ort vorgestellt. Die Bürgerinnen und Bürger erhalten dabei erneut die Möglichkeit, ihre Sichtweisen und Anregungen einzubringen. Die erste Veranstaltung dieser Art fand im September 2026 in Wahnwegen statt. Weitere Veranstaltungen werden terminiert, sobald die Rückmeldungen aus den Kommunen zu den Vorsorgekonzepten vorliegen.


    Abschließende Prüfung durch das KHH


    Nach der zweiten Bürgerveranstaltung werden die eingegangenen Anregungen in die Konzeptentwürfe eingearbeitet. Anschließend werden diese dem Kompetenzzentrum Hochwasservorsorge und Hochwasserrisikomanagement (KHH) zur behördlichen Prüfung vorgelegt.


    Veröffentlichung der Konzepte


    Die Rückmeldungen des KHH werden abschließend in die Konzepte übernommen und diese auf der Homepage der Verbandsgemeinde Oberes Glantal veröffentlicht.


    2. Vertiefende Fachveranstaltungen


    Aufgrund des hohen Anteils land- und forstwirtschaftlich genutzter Flächen in der Verbandsgemeinde wurden zwei themenspezifische Informationsveranstaltung zu den besonderen Herausforderungen und Anforderungen in diesen Bereichen durchgeführt. Ziel war es, praxisnahe Lösungsansätze zu entwickeln und die Interessen der land- und forstwirtschaftlichen Akteurinnen und Akteure frühzeitig in die Konzepterstellung einzubeziehen.


    2.1 INFORMATIONSVERANSTALTUNG "ABFLUSS- UND EROSIONSMINDERNDE LANDWIRTSCHAFTLICHE FLÄCHENBEWIRTSCHAFTUNG"


    20. Februar 2025, Waldmohr

    Referentin: Bettina Kirchmer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR)


    Im Vortrag wurden verschiedene praxisnahe Strategien zur Reduzierung von Oberflächenabfluss und Bodenerosion vorgestellt. Eine Auswahl:


    Pflanz- und Saattechniken: 


    • Zwischenfruchtanbau zur Verbesserung der Bodenstruktur und Wasserhaltefähigkeit
    • Direktsaat, um Bodenbearbeitung und Erosion zu minimieren
    • Untersaat zur Förderung ganzjähriger Bodenbedeckung
    • Maisanbau mit Untersaat, Frässaat oder Streifen-Frässaat zur besseren Wasserrückhaltung aufgrund geringerer Bodenverdichtung und Förderung ganzjähriger Bodenbedeckung
    • Mulchsaat in Stroh- oder Zwischenfruchtmulch als Schutz vor Erosion


    Bewirtschaftung (insbesondere in erosionsgefährdeten Bereichen):


    • Bodenschonende Bewirtschaftung, Vermeidung von Bodenverdichtung
    • Bewirtschaftung quer zum Hang, um Wasserabfluss zu bremsen
    • Ganzjährige Bodenbedeckung, z. B. durch Dauerbegrünung oder Zwischenfrüchte
    • Angepasste Bodenbearbeitung mit geeignetem Gerät (z. B. Scheibenegge, Grubber)
    • Konservierende, pfluglose Bodenbearbeitung, um Humus zu erhalten und die Erosion zu minimieren

    Die Präsentation kann hier abgerufen werden. 


    2.2 INFORMATIONSVERANSTALTUNG "BEDEUTUNG INTAKTER WÄLDER FÜR DEN GEWÄSSERSCHUTZ: WASSERBEZOGENE ÖKOSYSTEMDIENSTLEISTUNGEN DES WALDES"


    28. April 2025, Waldmohr
    Referentin:
    Dr. Eva-Verena Müller, Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Trippstadt 


    Im Fokus standen praxisnahe Strategien zur Reduzierung von Oberflächenabfluss im Wald.


    Frau Dr. Müller stellte dar:


    • welche wasserbezogenen Ökosystemleistungen (ÖSL) der Wald erbringt,
    • welche Einflussfaktoren diese Leistungen beeinflussen,
    • welche praktischen Maßnahmen zur Verbesserung der ÖSL beitragen können.


    Besonderes Augenmerk lag auf der Kombination vieler Einzelmaßnahmen, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen. 


    Grafische Übersicht der Maßnahmen:



    Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD), Herr Kempf, ergänzte die Einschätzung der Maßnahmen hinsichtlich Genehmigungspflicht und Förderfähigkeit. Nicht alle Maßnahmen sind genehmigungspflichtig, allerdings soll eine Kenntnisgabe erfolgen.

    Förderfähig seien beispielsweise Kleinrückhalte im Wald, andere genannte kleinere Maßnahmen sind aber von den Forstämtern/Gemeinden selbst zu finanzieren.


    Die Präsentation kann hier abgerufen werden. 


    3. Anwendung der Hochwasser-, Sturzflutgefahren- und Flusshochwasserkarten sowie des HydroZwillings


    3.1 ERLÄUTERUNGEN ZUR ANWENDUNG DER STURZFLUTGEFAHRENKARTEN UND DES HYDROZWILLINGS


    Bei Starkregenereignissen gehen innerhalb kurzer Zeit lokal große Niederschlagsmengen nieder. Sie treten meist in den Sommermonaten, häufig in Verbindung mit Gewittern auf. Starkregen kann überall auftreten und zu schnell ansteigenden Wasserständen und Überschwemmungen führen. Häufig geht Starkregen auch mit Bodenerosion einher.


    Alle 23 Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde können davon betroffen sein. Die daraus resultierende Gefährdung ist in den sog. Sturzflutgefahrenkarten des Landes dargestellt. Diese zeigen flächendeckend mögliche Fließwege und überflutungsgefährdete Bereiche für drei verschiedene Starkregenszenarien.


    Die Szenarien basieren auf dem sogenannten Starkregenindex (SRI). Dieser beschreibt auf einer Skala von 1 bis 12 die zunehmende Überflutungsgefahr in Abhängigkeit von der Intensität eines Starkregenereignisses. Die für die Modellrechnung ausgewählten Szenarien mit den jeweils zugrunde gelegten Niederschlagsmengen und Dauerstufen sind in der folgenden Abbildung dargestellt.



    Quelle: Sturzflutgefahrenkarten . RLP-UMWELT Wasserportal


    Die Sturzflutgefahrenkarten zeigen, welche Auswirkungen unter den jeweiligen Szenarien zu erwarten sind. Sie bilden jedoch nicht alle möglichen Ereignisse ab, da auch stärkere Starkregenereignisse auftreten können. Für die überflutungsgefährdeten Bereiche werden in den Karten zudem Wassertiefen, Fließgeschwindigkeiten und Fließrichtungen angegeben.


    Über den Link GDAWasser können die Starkregengefahrenkarte und der HydroZwilling aufgerufen werden.


    Zum Öffnen der Starkregengefahrenkarte bietet es sich zunächst an, folgende Layer einzuschalten.








    Mit Auswahl des gewünschten Starkregenereignisses öffnet sich die entsprechende Karte. In den örtlichen Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepten wird insbesondere die Belastung durch außergewöhnlichen Starkregen (SRI 7, 1 Std.) analysiert. Zum besseren Überblick bietet es sich an, die Fließgeschwindigkeit nur bei Bedarf anzuklicken.





    Seit 02/2026 ist der sog. "HydroZwilling" des Landes öffentlich zugänglich. Dieser ermöglicht unter anderem die 3D-Visualisierung der Sturzflutgefahrenkarten.


    Um die Darstellung zu aktivieren, muss auf den Button HydroZwilling RLP (rechts oben) geklickt werden. Mit dem erscheinenden Kreuz kann man auf eine beliebige Stelle in der Karte klicken und die 3D-Visualisierung baut sich auf. 




    Auf dem Bildschirm kann dann unten links das Szenario (SRI7, 1 h; SRI10, 1 h und
    SRI10, 4 h) ausgewählt werden. Das dann erscheinende bewegte Bild zeigt die maximale Ausbreitung der Überflutung.


    Klickt man auf ein Gebäude wird an diesem individuell die prognostizierte Wassertiefe angezeigt. Die Einfärbung der Dachfläche gibt einen Hinweis auf die an dem jeweiligen Gebäude erwartete Wassertiefe (z.B. rot > 2m). 



    3.2 ERLÄUTERUNGEN ZUR ANWENDUNG DER FLUSSHOCHWASSERKARTEN


    Übersteigt das Einzugsgebiet eines Gewässers die Größe von 15 km² können neben Starkregenereignissen auch langanhaltende Landregen sog. Flusshochwasser verursachen. Seit 07/2026 sind unter GDAWasser auch sog. Flusshochwasserkarten abrufbar, die mithilfe des HydroZwillings Rheinland-Pfalz berechnet wurden. Die Karten zeigen das Ausmaß der Überflutung und die dortige Wassertiefe für die Szenarien HQ10, HQ100 und HQextrem. Ebenso können Fließgeschwindigkeiten und Fließrichtungen in den Überflutungsbereichen abgerufen werden.


    Die Flusshochwasserkarte kann folgendermaßen aufgerufen werden (Beispiel für HQ100):




    Flusshochwasserkarten liegen in der Verbandsgemeinde für den Kohlbach ab der IGS in Schönenberg Kübelberg und für den Ohmbach ab der Einmündung des Krottelbachs vor. Analog zu der Sturzflutgefahrenkarte lässt sich auch die Flusshochwasserkarte mittels des HydroZwillings visualisieren.


    3.3 ERLÄUTERUNGEN ZUR ANWENDUNG DER HOCHWASSERGEFAHRENKARTEN


    Der Glan ist etwa ab dem Eichelscheiderhof als Risikogewässer gemäß HochWasserRisikomanagementRichtlinie (EG-HWRM-RL) eingestuft. Für Risikogewässer liegen in Rheinland-Pfalz seit 2013 Hochwassergefahrenkarten vor, die 2026 erstmals aktualisiert wurden. In der Verbandsgemeinde liegen die Karten für die Glangemeinden zwischen Nanzdietschweiler und Gimsbach vor. In diesen werden, wie in den Flusshochwasserkarten, das Ausmaß der Überschwemmung und die Wassertiefe für die Szenarien HQ10, HQ100 und HQextrem dargestellt. Die Karten können ebenfalls unter GDAWasser abgerufen werden:




    Ebenfalls können gesetzlich ausgewiesene Überschwemmungsgebiete und Risikogebiete abgerufen werden:




    Eine 3D-Visualisierung der Hochwassergefahrenkarten ist nicht möglich.


    4. Weiterführende Literatur


    Hochwasserschutzfibel des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bau­wesen:

    BMWSB - Startseite - Hochwasserschutzfibel- Objektschutz und bauliche Vorsorge (Stand: Februar 2022) (bund.de)


    Beispiele für Objektschutz:
    https://www.hkc-online.de/de/Vorsorge/Produkte


    Elementarschadenversicherung

    https://www.verbraucherzentrale-rlp.de/starkregen-hochwasser-unwetter-62849


    Warn-Apps


    DWD-Wetterapp:

    Wetter und Klima - Deutscher Wetterdienst - DWD-Apps


    Warn-App NINA:

    Warn-App NINA - BBK (bund.de)


    Warn-App KATWARN:

    Katwarn - Warn- und Informationssystem für die Bevölkerung


    „Meine Pegel“ - für Flusshochwasser:

    Hochwasser-Situation :: LHP (hochwasserzentralen.de)


    5. Ansprechpartner:INNEN


    Bei Fragen können Sie sich gerne an die Ansprechpartner der Verbandsgemeinde wenden:


    Frau Stefanie Schneider

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    Besucheradresse

    Raum-Nr.: W1-5.02
    Rathausstraße 14
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    Postadresse

    Rathausstraße 8
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    Aufgaben

    • Umwelt- und Naturschutz
    • Hochwasser- und Starkregenkonzept

    Funktion

    Sachbearbeitung

    Details

    Herr Michael Steinmetz

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    Besucheradresse

    Raum-Nr.: W1-3.08
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    Postadresse

    Rathausstraße 8
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    Aufgaben

    • Umwelt- und Naturschutz
    • Gewässer
    • Flurbereinigung
    • Spielplätze
    • Prüfungen Brücken u. Ingenieurtechnische Bauwerke

    Funktion

    Sachbearbeitung

    Details

    und des Büros OBERMEYER GmbH & Co. KG wenden:


    Frau Doris Hässler-Kiefhaber                                             Frau Ina Mittl
    Dipl.-Ing. (TU), Regierungsbaumeisterin                           Master of Science (M.Sc.)

    E-Mail:               E-Mail: 


    OBERMEYER GmbH & Co.KG
    Brüsseler Straße 5
    67657 Kaiserslautern
    www.obermeyer-group.com

     

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